alt text

Hungersnot am Horn von Afrika: schnell handeln - und nach den Ursachen fragen

In Ostafrika sind im Moment 7,8 Millionen Menschen akut von der drohenden Hungersnot betroffen. Das entspricht ungefähr der gesamten Schweizer Bevölkerung. Wenn die internationale Gemeinschaft nicht schnell Hilfe leistet, steht eine unvorstellbare Katastrophe mit vielen Toten bevor.

Enorme humanitäre Krise

Vor nur 5 Jahren sind bei der letzten Hungersnot in Somalia 250.000 Menschen gestorben. Aktuell sind auch die umliegenden Länder Äthiopien, Kenia und der Südsudan betroffen. Auch im Jemen breitet sich der Hunger rasant aus. Die UNO berichtete Anfang März auch von enormem Leid in Nigeria, warnte eindringlich vor der wohlmöglich größten humanitären Krise seit Jahrzenten und bezifferte den dringenden Finanzierungsbedarf der Hilfsorganisationen vor Ort auf ca. 4 Milliarden €, nur für dieses Jahr.

In akuten Notsituationen ist besonders wichtig, dass auf politische Ankündigungen schnelle Überweisungen folgen. Jede Verzögerung kann tödlich sein. Denn die Konten der UN sind aufgrund der Vielzahl an andauernden Krisen weltweit so gut wie leer.

Das Europäische Amt für humanitäre Hilfe, kurz ECHO, reagierte prompt mit einer Zahlung von 165 Millionen EUR, zusätzlich zu den Mitteln, die es bereits Ende 2016, als sich die Krise abzuzeichnen begann, zur Verfügung stellte. Nun müssen die europäischen Mitgliedsländer nachziehen.

Die politische Krise

Während die humanitäre Hilfe geleistet wird, muss die internationale Gemeinschaft auch nach den Gründen suchen, die zu den Nahrungsmittelengpässen geführt haben. Analytiker sind sich hier einig: Hinter dem Hunger steht keine Naturkatastrophe, sondern eine politische Katastrophe.

Selbstverständlich drückt die Dürre und Versteppung in Ostafrika, befördert durch das Klimaphänomen El Niño, auf die Erträge und Wasserbestände. Gerade Viehzüchter stehen unter Druck. Doch dies ist nur ein Faktor neben politischem Versagen.

In Somalia und im Südsudan herrschen korrupte Machthaber. Äthiopien, ein potentiell fruchtbares Land mit ausreichend Regenfällen, hat keine ausgeprägte Demokratie. Weil die Herrscher davon ausgehen, dass sie nicht zur Rechenschaft gezogen werden, können sie es sich leisten, ihre Bevölkerung hungern zu lassen und die Landwirtschaft zu vernachlässigen.

Investitionen in die afrikanische Landwirtschaft sind dringend notwendig. Das von der Afrikanischen Union gestützte Ziel, 10% des Budgets für die Stärkung der Landwirtschaft einzusetzen, haben bisher nur wenige Länder erreicht. Im Jahr 2015 lag die Rate durchschnittlich bei bloß 2,2 Prozent.

Was die EU tun kann

Über kurzfristige Nothilfe hinaus muss die EU einen selbstkritischen Blick auf ihr sonstiges Engagement in den von der Hungersnot betroffenen Ländern am Horn von Afrika werfen.

Denn die EU kooperiert seit der „Migrationskrise“ unverschämt mit Diktatoren, beispielsweise im Sudan. Sie lässt Gelder fließen, ohne viele Fragen zu stellen. Hauptsache die Flüchtlingsströme nach Europa werden eingedämmt.

Mit diesem Vorgehen untergräbt Europaseine eigenen Bemühungen in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Demokratie und Menschenrechte. Die EU entwickelt eben neue Strategien, wie sie ihre Nothilfemaßnahmen noch besser mit langfristigen EZ-Projekten verknüpfen kann, um so die Widerstandsfähigkeit der Region gegen Krisen nachhaltig zu stärken. Doch dies ist nichts wert, wenn die europäische Außenpolitik von innenpolitischen Interessen getrieben wird - und so unter Umständen die nächste Hungersnot provoziert. Denn die Machthaber am Horn von Afrika wissen nun, dass sie weder von Seiten ihrer eigenen Bevölkerung noch von der EU etwas zu befürchten haben.

Die EU muss diese inkohärente Politik sofort beenden und Menschenleben sowie ihre eigenen Grundwerte über kurzfristige innenpolitische Ziele stellen.