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Das Klima lässt sich nicht mit Agrofuels retten

Das Europäische Parlament hat heute ein Energie & Klima-Paket verabschiedet, das u.a. eine Neufassung der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie (RED II) enthält. Demnach sollen Treibstoffe aus landwirtschaftlichen Rohstoffen weiterhin gefördert werden. Maria Heubuch, Mitglied des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, sieht dies kritisch:

Treibstoffe aus nachwachsenden landwirtschaftlichen Rohstoffen sind nicht automatisch klimafreundlich. Im Gegenteil, bei Palmöl, aber auch bei Soja, Raps und Sonnenblumen ist die Klimabilanz sogar schlechter als bei Erdöl. Deshalb freue ich mich zwar, dass Palmöl zukünftig nicht mehr beigemischt werden darf.

Es gibt aber zwei Risiken: Zum einen werden weiterhin Monokulturen mit klimaschädlichen Energiepflanzen angebaut, um den Energiehunger des Verkehrssektors zu stillen. Zum anderen wird wohl die Lebensmittelindustrie mehr Palmöl einsetzen, während die Tankstellen mehr einheimische Öle beimischen werden. Das Problem wird also nur verlagert.

Das Klima jedenfalls lässt sich so nicht retten. Für indigene Gemeinschaften in Ländern wie Malaysia und Indonesien, aber auch für Biodiversität, Wasser und Boden hierzulande, sind Agrotreibstoff-Monokulturen keine gute Nachricht. Obwohl das Energie-Paket viele gute Elemente enthält, lässt es hier zu wünschen übrig.

 

Hintergrund:

Das Europäische Parlament hat es heute versäumt, die Verwendung von Nahrungs- und Futterpflanzen zur Herstellung von Treibstoffen im Rahmen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie für den Zeitraum 2021-2030 (REDII) auslaufen zu lassen.

Der heute angenommene Text enthält die folgenden Bestimmungen zu den Agrotreibstoffen erster Generation:

Ein neues verbindliches 12%-Ziel für erneuerbare Energien im Verkehrssektor bis 2030 wird eingeführt. Um diese Ziel zu erfüllen, dürfen die Mitgliedstaaten auch Agrotreibstoffe mit Ausnahme von Palmöl nutzen, und zwar bis zu ihrem im Jahr 2017 bestehenden Nutzungsniveau (maximal 7%). Mitgliedstaaten, die derzeit weniger als 2% Agrotreibstoffe nutzen, dürfen den Verbrauch auf maximal 2% erhöhen. Der durchschnittliche Anteil von Agrotreibstoffen beträgt in der EU aktuell etwa 4%.

Zusätzlich wurde ein verbindliches Ziel von 3,6% für die Verwendung von Agrotreibstoffen zweiter Generation beschlossen.