alt text

Glyphosat-Sonderausschuss: Behörden kehrten Krebsbefunde unter den Teppich

Laut einem heute im Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlichten wissenschaftlichen Artikel konnten EFSA und ECHA nur deshalb zum Schluss kommen, Glyphosat sei nicht krebserregend, weil sie die geltenden EU- und OECD-Leitlinien widersprüchlich angewendet bzw. grob verletzt hätten. Maria Heubuch, Mitglied des Sonderausschusses zum Zulassungsverfahren von Glyphosat und anderen Pestiziden, kommentiert:

Fakt ist, dass Glyphosat aller Wahrscheinlichkeit nach krebserregend ist. Die Behörden haben die Krebsbefunde unter den Teppich gekehrt. Der neu gegründete Sonderausschuss des Europäischen Parlaments muss hier aufräumen. Es geht nicht an, dass Konzerne unter Duldung der Behörden die Öffentlichkeit an der Nase herumführen. Genauso wenig darf es sein, dass die EU-Behörden unsere begründeten Bedenken als „emotional“ und „Mickey-Mouse-Wissenschaft“ verspotten. Ich bin den Autor*innen des Artikels sehr dankbar dafür, dass sie die Regelverstöße klipp und klar aufgearbeitet haben. Nur wenn wir hier aufräumen, können Umwelt und Gesundheit effektiv geschützt werden.

Hintergrund

Peter Clausing, Claire Robinson und Helmut Burtscher argumentieren in ihrem Artikel Pesticides and public health: an analysis of the regulatory approach to assessing the carcinogenicity, dass eine ordnungsgemäße Anwendung der EU- und OECD-Leitlinien zwangsläufig zu der Schlussfolgerung führt, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ ist. Insbesondere kritisieren sie ein willkürliches Abschwächen der statistischen Analysen durch die Behörden; ihre Missachtung der Dosis-Wirkungsbeziehungen; ihre ungerechtfertigte Behauptung, dass die verwendeten Dosen bei den Mausstudien zu hoch gewesen wären und ihre Behauptung, dass die krebserregende Wirkung nicht reproduzierbar wäre.

Der Pestizid-Sonderausschuss über das EU-Genehmigungsverfahren für Pestizide wie Glyphosat hat am Montag, 12. März seine Arbeit aufgenommen. Mitglieder für die Grünen/EFA-Fraktion sind Bart Staes (Co-Berichterstatter, Belgien), Michèle Rivasi (Koordinatorin, Frankreich), stellvertretende Mitglieder sind Maria Heubuch (Deutschland) und Thomas Waitz (Österreich). Auf Initiative der Grünen/EFA-Fraktion wird der Sonderausschuss voraussichtlich neun Monate lang das EU-Genehmigungsverfahren für Pestizide untersuchen, Interessenkonflikte offenlegen und Empfehlungen aussprechen.