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Junge Leute in die Landwirtschaft!

Die Landwirtschaft ist ein Sehnsuchtsort für viele - jüngere und auch ältere - Menschen. Doch trotz guter Ausbildung ist der Einstieg für jene, die selbst nicht von einem Hof abstammen, fast unmöglich. Die Europäische Union möchte das ändern - mittels einer speziellen Junglandwirteförderung innerhalb der GAP. Sie verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten, jungen Landwirten in den ersten fünf Jahren nach der Hofgründung bzw. -übernahme um 25% mehr Direktzahlungen zu überweisen. Zusätzlich stehen freiwillige Maßnahmen in der zweiten Säule zur Verfügung: Eine finanzielle Starthilfe, Investitionshilfe, Wissenstransfer und Beratung.

Alles in Butter - oder?

Der Landwirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments hat sich angesehen, wie diese Maßnahmen umgesetzt werden - und kam zu dem Schluss, dass im Grunde alles gut läuft. Wir Grünen sehen das anders. Die wichtigste Hürde für Neueinsteiger ist der Zugang zu Land. Die bestehende Junglandwirteförderung adressiert dieses Problem jedoch nicht. Sie bekämpft auch die Überalterung nicht effektiv - nach wie vor werden viel zu viele Höfe aufgegeben, anstatt an die nächste Generation übergeben. (Dass es auch anders geht, zeigt Slowenien, wo das Programm genutzt wurde, um die Zahl der Junglandwirte auf ein nachhaltiges Niveau anzuheben. Wo der politische Wille da ist, gibt es also Wege.) Und: Das Prinzip „Öffentliches Geld für öffentliche Güter“ wird von der Junglandwirteförderung ignoriert. Denn es werden nicht jene Höfe gefördert, die am meisten zu Umwelt-, Tier- und Landschaftsschutz beitragen, sondern alle Junglandwirte ohne Differenzierung. Wenn wir es ernst meinen mit der Agrarwende, müssen wir auch bei der Junglandwirteförderung ansetzen und Wirtschaftsformen fördern, die wichtige Leistungen für die gesamte Gesellschaft erbringen!

Landwirtschaft zu Zukunftsort machen

Um die Landwirtschaft nicht nur zu einem Sehnsuchts-, sondern auch zu einem Zukunftsort zu machen, braucht es faire Einkommen für die bäuerliche Arbeit. Gerade Neueinsteiger*innen legen oft viel Kreativität und Innovationsfreude an den Tag, um auch wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu finden. Sie sind die Vorreiter, etwa bei biologischem Landbau, Direktvermarktung, gemeinschaftlicher Finanzierung oder handwerklicher Lebensmittelherstellung. Dadurch kurbeln sie die lokale Wirtschaft an und schaffen neue Arbeitsplätze. Neue Höfe sind ein Segen für die Dörfer, und die Europäische Union sollte sie viel gezielter fördern.

Mehr Infos:

• Einen sehr nützlichen Überblick über die Junglandwirteförderung bietet der Forschungsdienst des Europäischen Parlaments (EPRS): Unterstützung von Junglandwirten in der EU

• Der Europäische Rechnungshof (EuRH) hat am 29. Juni 2017 einen 85-seitigen Sonderbericht „EU-Unterstützung für Junglandwirte sollte gezielter zur Förderung eines wirksamen Generationswechsels eingesetzt werden“ veröffentlicht. Laut EuRH beruht die Junglandwirteförderung auf einer „schlecht definierten Interventionslogik, bei der keine erwarteten Ergebnisse und Auswirkungen angegeben werden“. Er fordert die Kommission auf, die Ziele der Förderung genauer zu definieren.

• Der EP-Landwirtschaftsausschuss hat eine Studie zur „Umsetzung der Junglandwirteförderung nach der GAP-Reform von 2013“ in Auftrag gegeben. Sie kommt u.a. zum Schluss, dass eine Ausrichtung der GAP-Zahlungen in Richtung kleinerer Betriebe, biologischem Landbau und Direktvermarktung den Neueinsteigern besonders stark zugutekommen würde. Laut derselben Studie steckt die Junglandwirteförderung in Deutschland noch in den Kinderschuhen:

 

- Flächendeckend wird nur die verpflichtende Maßnahme einer Aufstockung der Direktzahlung für Junglandwirte durchgeführt.

- Sachsen-Anhalt ist das einzige Bundesland, das darüber hinaus auch von den freiwilligen Maßnahmen der 2. Säule Gebrauch macht; und zwar in Form einer Starthilfe in Höhe von bis zu 70.000€. Doch die Ausgaben sind begrenzt: Weniger als 1% der Ausgaben der 2. Säule gehen in Sachsen-Anhalt in diese Maßnahme (in vielen anderen Regionen der EU sind es 5-6%, in manchen sogar 8-17%).

 

- Die anderen Möglichkeiten der 2. Säule zur Junglandwirteförderung (Beratung, Investitionen, Wissenstransfer) werden in DE gar nicht ausgeschöpft.

• Die Europäische Innovationspartnerschaft für die Landwirtschaft (EIP-AGRI) veröffentlichte eine Studie zu „Neueinsteiger in der Landwirtschaft: Lehren zur Förderung von Innovation und Unternehmertum“. Die Studie zeigte, dass Neueinsteiger eher in alternative und wertschöpfende landwirtschaftliche Tätigkeiten eingebunden sind (z. B. alternative Agrar- und Ernährungsnetze, lokale Zertifizierungssysteme) und häufiger Frauen sind. Also genau das, was die europäische Landwirtschaft braucht!