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Milchkonzern Lactalis übernimmt Omira: Grüne Abgeordnete aus der Region fordern grundsätzlichen Wandel in der Agrarpolitik

„Dass die traditionsreiche oberschwäbische Genossenschaftsmolkerei Omira ihre Eigenständigkeit aufgeben musste, ist auch das Ergebnis einer über viele Jahre verfehlten Agrarpolitik in Europa und in Deutschland“. Dies erklären in einer gemeinsamen Mitteilung vier grüne Abgeordnete aus der Region: die Europaabgeordnete Maria Heubuch (Leutkirch), die Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger (Ravensburg) und die Landtagsabgeordneten Manne Lucha (Ravensburg) und Martin Hahn (Bodensee). „Zwar können durch die Übernahme durch den französischen Lactalis-Konzern, der weltweiten Nummer eins auf dem Milchmarkt, viele Familienbetriebe in der Region aufatmen und zunächst weiterwirtschaften. Aber das Ende der Omira zeigt, dass die weltweite Milchkrise auch in der Region voll durchgeschlagen hat. Auch künftig werden jeden Tag bäuerliche Milcherzeuger aufgeben, wenn wir keinen grundsätzlichen Wandel in der Agrarpolitik erreichen“, betonen die vier Abgeordneten.

Zunächst sei es wichtig, so die AgrarexpertInnen Maria Heubuch und Martin Hahn, die beide selbst Bauern sind, dass „die liefernden Landwirte einen verlässlichen Partner vor Ort haben und ihre Milch verkaufen können“. Es sei aber bedauerlich, dass Omira die Selbstständigkeit verloren habe, so Hahn: „Omira hat sich lange Zeit gut am Markt gehalten, aber nicht reagiert, als sich der Markt verändert hat“. „Die immer stärkere Konzentration bei der Verarbeitung von Milch sehe ich kritisch. Ich bedaure, dass wir die regionale Wertschöpfung nicht in der Region halten können“, fügt Maria Heubuch hinzu.

„Die Omira musste wegen der anhaltend schlechten Preise für Milchpulver nach einem starken Partner suchen, aber das ist nur ein Teil eines viel größeren Problems. Der Milchmarkt ist weltweit in der Krise, nirgendwo lassen sich die Produktionskosten noch decken“, betonen Brugger, Heubuch, Hahn und Lucha. „Wir müssen jetzt umsteuern: lokal, regional, in Deutschland und in Europa“.

In Deutschland wird viel mehr Milch produziert, als die Deutschen konsumieren. Knapp die Hälfte der Milchprodukte wird exportiert. „Von der Überproduktion profitieren schon bisher die großen Lebensmittelkonzerne, die am Export gut verdienen – nicht aber die Lieferanten. Lactalis mit seinen weltweiten Zukäufen ist dafür das beste Beispiel dafür“, sagt Maria Heubuch, die selbst mit ihrer Familie einen Milchbauernhof im Allgäu betreibt und als Agrarexpertin im Europaparlament die weltweiten Aktivitäten der Konzerne beobachtet: „Verlierer sind die bäuerlichen Familienbetriebe bei uns - aber eben auch in den Empfängerländern. Milchbauern in afrikanischen Ländern haben keine Chance, gegen unsere viel zu billigen Preise für Milchpulver zu konkurrieren“.

Die Wege aus der Krise sind nach Ansicht der grünen PolitikerInnen längst bekannt: Damit bäuerliche Familienbetriebe im Allgäu und in Oberschwaben künftig wieder auskömmlich wirtschaften können, fordern Brugger, Heubuch, Hahn und Lucha eine europaweite, verpflichtende Milchmengen-Reduzierung. „Stattdessen müssen wir künftig auf Qualitätsprodukte aus heimischer Milch mit hoher Wertschöpfung setzen, auf Regionalität und auf agrarökologisches Wirtschaften“. Die vier grünen ParlamentarierInnen aus der Region Allgäu-Oberschwaben betonen abschließend: „Dass die Verbraucherinnen und Verbraucher bereit sind, für eine Landwirtschaft, die Natur und Umwelt schont, dem Tierwohl dient und die Vielfalt bäuerlicher Familienbetriebe erhält, mehr als nur Niedrigstpreise zu zahlen, dafür gibt es auch hier in der Region ermutigende Beispiele“.