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Unterernährung von Kindern in Entwicklungsländern (Aussprache)

PLENARDEBATTE (Leitet Herunterladen der Datei einRedebeitrag als Video)

Straßburg. Maria Heubuch, im Namen der Verts/ALE-Fraktion: Herr Präsident! Wir stimmen heute über einen bedeutenden Bericht ab. Denn es ist beschämend, dass immer noch Millionen von Kindern Hunger leiden müssen und dass alle paar Minuten ein Kind an Hunger stirbt. Ich bin auch sehr froh darüber – hier ein herzliches Dankeschön an Frau McAvan –, dass wir in diesem Bericht nicht nur von Unterernährung sprechen, sondern auch von Mangelernährung, denn es genügt eben nicht, dass die Kinder ausreichend Kalorien bekommen. Für ein gesundes Wachstum und für eine altersentsprechende Entwicklung benötigen sie eine ausgewogene Ernährung mit Vitaminen, mit Spurenelementen, um nur Einiges zu nennen.

Das erreichen wir jedoch nicht, wenn wir weiterhin die üblichen Monokulturen fördern. Sie verdrängen diversifizierte Anbausysteme mit unterschiedlichen Getreide- und Gemüsesorten und somit auch die Produktion der benötigten Mikronährstoffe. Ich fordere die EU hier auf, den Empfehlungen des EU-Sonderberichterstatters für das Recht auf Nahrung zu folgen, der ausdrücklich eine ökologischere Landwirtschaft als Weg für diese Länder benennt, um sich selber zu ernähren, und der auch auf die Rolle der Landwirtschaft bei Klimawandel und Armutsbekämpfung hinweist. Daher gilt es, Kleinbäuerinnen und -bauern zu fördern und zu unterstützen, denn sie haben das Potenzial, vielfältige klimafreundliche Anbausysteme zu verbreiten, sie haben das Potenzial, gerechte Nahrungsmittel, die den Ernährungsgewohnheiten vor Ort entsprechen, zu produzieren, sie haben das Potenzial, Wirtschaft aufzubauen. Denn mit der Urproduktion sind auch die Verarbeitung, der Transport und der Handel in der Region verbunden. Dort liegt das Potenzial für Arbeitskräfte und somit der erste Schritt aus der Armut.

Doch ohne Land können keine Lebensmittel angebaut werden. Das bedeutet, dass traditionelle Landrechte geschützt werden müssen, dass der Zugang zu Land für die örtliche Bevölkerung, insbesondere für Frauen, sichergestellt werden muss. Hier darf nicht derjenige Sieger sein, der mehr Geld auf den Tisch legt. Hier muss die örtliche Bevölkerung der Sieger sein, und weiterem Landgrabbing dürfen wir auf keinen Fall Vorschub leisten.

Investitionen in Landwirtschaft sind absolut notwendig. Sie sind notwendig, wenn wir in den Entwicklungsländern Hunger und Armut bekämpfen wollen. Aber nicht jede Art der Investition in Landwirtschaft ist hier hilfreich. Wenn private Investoren die lokale Bevölkerung am Ende von ihren eigenen Ressourcen mehr oder weniger vertreiben und sie dieser berauben, um diese unentbehrliche Lebensmittelproduktion selbst zu betreiben, um selber große Margen für den Weltmarkt, für internationale Märkte zu produzieren, dann wird davon kein Kind satt.

Handelsabkommen müssen auch das in Zukunft berücksichtigen, sie müssen auch dem gerecht werden. Diese Länder werden ansonsten immer abhängiger von den internationalen Rohstoffmärkten und von den Schwankungen der Preise auf diesen Märkten. Sie werden abhängig von Lebensmittelspekulation, und Börsenentwicklungen werden somit entscheidend dafür, ob am Ende des Tages ein Kind hungrig oder satt zu Bett gehen kann. Das ist höchst unmoralisch, dagegen müssen wir kämpfen.

Armut und Hunger lassen sich durch ausreichende Unterstützung von Bäuerinnen und Bauern vor Ort verhindern. Das ist der einzige Weg für diese Länder, eine Ernährungssouveränität zu erlangen. Wir brauchen eine weitere Ökologisierung der Anbausysteme, um sie an den Klimawandel anzupassen, denn es sind genau diese Länder, die als erste vom Klimawandel betroffen sein werden. Beides sind Grundelemente der Bekämpfung von Armut und Hunger.