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EU-Abgeordnete haben hohe Glyphosatrückstände im Urin

PRESSEMITTEILUNG

Brüssel. Auf Initiative der Grünen/EFA haben 49 Abgeordnete des Europäischen Parlaments ihren Urin auf Glyphosatrückstände untersuchen lassen. Die Ergebnisse sind erschreckend: In allen Proben fanden sich Rückstände, die oberhalb des Grenzwerts für Glyphosat in Trinkwasser (0,1 ng/ml) liegen. Die EU-Kommission hat heute vorgeschlagen, den Pestizidwirkstoff für weitere neun Jahre zuzulassen. Nächste Woche (18./19.5.) stimmen die EU-Mitgliedstaaten über diesen Vorschlag ab[i]. Maria Heubuch, Bäuerin und Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments, kommentiert:

„Glyphosat ist überall. Welchen gesundheitlichen Belastungen die Bevölkerung damit ausgesetzt wird, ist nicht restlos geklärt, weil die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde sich nach wie vor weigert, sechs Schlüsselstudien zu veröffentlichen. Aber die Weltgesundheitsorganisation stuft Glyphosat als ,wahrscheinlich krebserregend‘ ein und es gibt eindeutige Hinweise, dass auch das menschliche Hormonsystem beeinträchtigt wird. Deshalb ist es alarmierend, dass nicht nur die Europa-Abgeordneten[ii], sondern auch die deutsche Bevölkerung[iii] hochgradig mit Glyphosat verseucht sind. Das Argument, dass Glyphosat vom Körper wieder ausgeschieden wird, zählt nicht, denn es handelt sich hier um eine Dauerbelastung, bei der ständig über die Nahrung neues Glyphosat aufgenommen wird.

Es sollte selbstverständlich sein, dass die EU-Kommission und die Regierungen den Schutz der Bevölkerung über die Interessen von Pestiziderzeugern wie Monsanto stellen. Deutschland handelt unverantwortlich, wenn es die starken Hinweise auf hormonwirksame und krebserregende Wirkung ignoriert. Deutschland könnte das Zünglein an der Waage sein und die Zulassung kippen. Ich fordere Herrn Minister Schmidt und Frau Ministerin Hendricks eindringlich auf, ebenfalls ihren Urin testen zu lassen und kommende Woche gegen die Zulassung zu stimmen!“

Hintergrundinfos:

[i] Vorschlag der EU-Kommission:
Die Kommission hat ihren ursprünglichen Vorschlag, die Zulassung von Glyphosat ohne Auflagen um weitere 15 Jahre zu verlängern, überarbeitet, nachdem der Vorschlag bei den Mitgliedstaaten keine qualifizierte Mehrheit finden konnte (vgl. Pressemitteilung vom 8.3.2016: Öffnet externen Link in neuem FensterEtappensieg bei Glyphosat). Der neue Vorschlag sieht vor, Glyphosat für 9 Jahre zuzulassen und fordert die Mitgliedstaaten auf, verschiedene Vorsichtsmaßnahmen zu treffen:

  • Besondere Sorgfalt bezüglich negativer Auswirkungen auf Tiere;
  • Beachtung der Richtlinie zur nachhaltigen Nutzung von Pestiziden, die vorsieht, den Pestizideinsatz durch integrierte biologische Schädlingsbekämpfung zu minimieren;
  • Einsatz von Glyphosat in öffentlichen Parks und Sporteinrichtungen, Schulgeländen und Spielplätzen und in der Nähe von Gesundheitseinrichtungen minimieren oder verbieten.

Den weitreichenden Forderungen des Europäischen Parlaments wurde damit jedoch nur symbolisch Rechnung getragen (vgl. Pressemitteilung vom 13.4.2016: Öffnet externen Link in neuem FensterEU-Parlament zeigt gravierende Probleme bei der Wiederzulassung von Glyphosat auf). Das Europäische Parlament hatte am 13.4. unter anderem angemahnt, den Einsatz in Privatgärten sowie Vor-Ernte-Behandlungen von Getreide (sogenannte Sikkation) zu verbieten. Diese Forderungen wurden von der Kommission nicht aufgenommen.

Für eine Verlängerung der Zulassung ist eine qualifizierte Mehrheit der Mitgliedstaaten erforderlich.

[ii] Glyphosat-Rückstände im Urin der EU-Abgeordneten:
Die Untersuchung wurde an 49 Abgeordneten verschiedener Fraktionen aus 13 Mitgliedstaaten durchgeführt. Die gemessene Durchschnittsbelastung lag bei 1,73 ng/ml. Die niedrigste gemessene Belastung 0,17 ng/ml war noch immer höher als der Grenzwert für Glyphosatbelastungen im Trinkwasser, der bei 0,1 ng/ml liegt. Die Ergebnisse der Urin-Untersuchung finden sich Opens external link in new windowhier

[iii] Glyphosat-Rückstände im Urin der deutschen Bevölkerung:
Die bisher weltweit größte Untersuchung von Glyphosatrückständen in der Bevölkerung wurde im Winter 2015/16 in Deutschland durchgeführt. In nur 8 von 2009 Urinproben wurden dabei keine Glyphosatrückstände gefunden. 99,6% der Proben wiesen Rückstände bis zum 42fachen des Grenzwerts für Trinkwasser auf. Siehe: www.urinale.org

Mehr Infos:

Öffnet externen Link in neuem FensterSieben Gründe, Glyphosat zu verbieten